Histoires du Tango ZURÜCK
 
Inhalt der CD:

Astor Piazzolla (1921-1992): Histoire du Tango
                            1) Bordel 1900 (4'10)
                            2) Café 1930 (7'17)
                            3) Nightclub 1960 (5'46)
                            4) Concert d'aujourd'hui (3'18)

Manuel de Falla (1876-1946) :
                            5) Homenaje « Le Tombeau de Claude Debussy » (3'05)

Gerhard Goebel (*1932) :
                            6) Milonga 1999 para J. L. Borges (3'06)

Maximo Diego Pujol (*1957): Suite Buenos Aires
                            7) I. Pompeya (3'53)
                            8) II. Palermo (4'34)
                            9) III. San Telmo (3'23)
                          10) IV. Microcentro (4'11)

Maurice Ravel (1875-1937):
                          11) Habanera (2'46)

Astor Piazzolla:
                          12) Libertango (2'50)

Francois Borne (1862-1929):
                          13) Habanera aus: Fantaisie brillante sur Carmen (4'07)

Jaime Mirtenbaum Zenamon (*1951):
                          14) Tango (3'20)

Jaime Mirtenbaum Zenamon: 3 Retratos
                          15) Encuentro (2'41)
                          16) Despedida (3'34)
                          17) Dialogo (3'28)
T.T.: 66'20

   
 
Begleittext:
„Der Tango hat schwarzes Blut, der Lunfardo (gesungener Tango) hat Gringo-Blut (weisses Blut)“ sagte der Präsident der argentinischen Tango-Akademie, José Gobello. Er hat recht. Der argentinische Tango kann drei Ursprünge reklamieren, in die schwarzes Blut gemischt ist: Den Flamenco-Tango, die älteste Form; dann, um die Mitte des 19. Jahrhunderts, die Habanera; schließlich, um 1900 die Milonga, entstanden in Buenos Aires im Palermo-Viertel, das damals mehrheitlich von afrikanischen Einwanderern bevölkert war. „Milonga“ heisst soviel wie Zwiegespräch im Streit, also Auseinandersetzung zwischen „Compadritos“, einer Art von Padrini jenes anrüchigen Viertels. Das war eine Sache zwischen Machos, man tanzte da quasi mit gezogenem Messer, nach einer Musik von Flöte und Gitarre (der Ursprungsbesetzung der Milonga). Das Bandoneon und andere Instrumente kamen erst später dazu, noch später der Gesang, vor allem mit dem aus Toulouse stammenden Gardel. Mit Gardel wird der Tango sanfter und verbreitet sich epidemisch in Europa. Jorge Luis Borges, der seine Kindheit in der Nachbarschaft des Palermo-Viertels verbracht hat, war ein nostalgischer Bewunderer der fröhlich männlichen Compadritos und ihrer Milonga.
Den Einfluss von Borges bemerkt man vor allem in der späten „Histoire du Tango“ von Piazzolla, aber auch schon früher in gesungenen Tangos des Komponisten. Denn Borges hatte sich bereitgefunden, mit Piazzolla zusammenzuarbeiten, er hat ihm sogar schöne Texte geliefert, in denen er seine Nostalgie nach den Compadritos bekundet. Ich habe mir ein Streitgespräch zwischen Borges und Piazzolla vorgestellt und daraus die Milonga 1999 gemacht zum hundertsten Geburtstag des Schriftstellers! Borges ist da auf der Seite der Gitarre und der Milonga, Piazzolla hingegen wird vertreten durch die Bassflöte und eine melancholische Kantilene. Die anderen Kompositionen auf dieser CD stehen der Habanera näher: die sehr „weissen“ Variationen über Bizet und das berühmte Stück von Ravel; oder auch dem Flamenco-Tango: die Homenaje von de Falla. Pujol und Zenamon sind eher auf seiten der Milonga, so wie Piazzolla. Aber das schwarze Blut spürt man überall.
(Gerhard Goebel)

   
  Kritik zur CD (Giessener Allgemeine, 24.12.2001):
".... Mit einer neuen CD mit dem Titel "Histoires du Tango" macht die Flötistin Sabine Dreier einmal mehr auf sich aufmerksam. Gemeinsam mit dem Gitarristen Rudolf Klemisch hat Sabine Dreier den bisweilen spröden, aber extrem leidenschaftlichen Charme der Tangomusik eingefangen und mit Flöte und Bassflöte zum Ausdruck gebracht. Im harmonischen Dialog mit der Gitarre lassen die beiden Musiker im Tangorhythmus die ganze Palette menschlicher Gefühle und Gedanken erklingen...."
   
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